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27.05.2026 | Susanne Neumann

Doping als Businessmodell

Die Enhanced Games verkaufen mehr als Rekorde

Ersteller: ETIENNE LAURENT | Credit: AFP Urheberrecht: AFP or licensors

Enhanced-CEO Maximilian Martin (links) mit Schwimmer Kristian Gkolomeev.

Es klingt wie eine dystopische Version der Olympischen Spiele: gedopte Athleten, medizinisch überwachte Selbstversuche und Millioneninvestitionen aus dem Silicon Valley. Bei den „Enhanced Games“ in Las Vegas sollten Sportler mit Hilfe leistungssteigernder Substanzen Rekorde brechen – und gleichzeitig den Startschuss für einen völlig neuen Markt liefern. Der Plan: Doping raus aus der Grauzone und rein in ein milliardenschweres Geschäftsmodell. 

Die Veranstalter inszenieren das Projekt als Revolution des Sports. Kritiker sehen dagegen ein riskantes Experiment am Menschen. Denn hinter den Wettkämpfen steckt weit mehr als nur ein Spektakel für Aufmerksamkeit und Streamingzahlen.

Athleten als Werbefläche

Einer der Teilnehmer ist der deutsche Ex-Olympiaschwimmer Marius Kusch. Seine Motivation formuliert er offen: Geld. Nach Jahren im Spitzensport sei ein vergleichbares Einkommen auf legalem Weg kaum erreichbar. Für die Enhanced Games nahm er leistungssteigernde Mittel unter ärztlicher Aufsicht ein – welche genau, blieb geheim. 

Die Athleten sind dabei nicht nur Sportler, sondern zugleich Versuchspersonen und Markenbotschafter. In Abu Dhabi wurden ihre Körper und Leistungsdaten im Rahmen einer klinischen Studie untersucht. Die Ergebnisse sollen künftig Produkte legitimieren, die das Unternehmen verkaufen will. Die Botschaft: medizinisches Enhancement nicht nur für Profis, sondern für alle. 

Der Traum vom optimierten Menschen

Mitgründer Christian Angermayer spricht offen darüber, worum es wirklich geht. Inspiriert vom Boom der Abnehmspritze Ozempic wolle man „medizinische Performance-Enhancements“ massentauglich machen. Die Games seien deshalb weniger Sportveranstaltung als Schaufenster einer neuen Lifestyle-Industrie. 

Im firmeneigenen Onlineshop werden bereits Testosteron-Präparate und andere leistungssteigernde Mittel angeboten. Werbesprüche versprechen Kunden, ihr Potenzial ins „Übermenschliche“ zu transformieren. Nach Bluttests und Online-Beratung sollen die Produkte direkt nach Hause geliefert werden. 

Finanziert wird das Projekt unter anderem von Tech-Investoren wie Peter Thiel und Donald Trump Jr. Für viele Beobachter ist das kein Zufall. Die Ideologie hinter den Enhanced Games stammt direkt aus der Welt der Tech-Eliten: Selbstoptimierung, ewige Jugend und die Vorstellung, biologische Grenzen überwinden zu können. 

Mediziner schlagen Alarm

Sportmediziner und Anti-Doping-Experten halten das Konzept dagegen für brandgefährlich. Der Kölner Dopingforscher Wilhelm Bloch spricht von einem ethischen Tabubruch. Studien zur Leistungssteigerung mit solchen Substanzen wären in Deutschland nicht genehmigungsfähig. Die Risiken reichten von Herzschäden bis zu langfristigen hormonellen Veränderungen. 

Auch die Nationale Anti-Doping-Agentur warnt vor massiven Nebenwirkungen. Doping-Kontrolleurin Eva Bunthoff nennt mögliche Folgen wie Unfruchtbarkeit, Hodenrückbildung oder sogar Todesfälle. Besonders problematisch sei, dass die Enhanced Games gezielt schnelle Erfolge und körperliche Überlegenheit vermarkten. 

Viel Risiko, wenig Rekorde

Sportlich blieb der große Durchbruch bislang aus. Trotz aller Versprechen konnten die „enhanced“ Athleten nur vereinzelt Weltklasseleistungen liefern. Mehrfach wurden sie sogar von sauberen Sportlern geschlagen. Dennoch scheint das eigentliche Ziel erreicht: maximale Aufmerksamkeit.

Denn die Enhanced Games verkaufen am Ende keine Medaillen – sondern die Idee, dass der menschliche Körper ein Produkt ist, das sich jederzeit upgraden lässt.

 


Autor

Susanne Neumann

Leitende Redakteurin #FITNESS

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