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18.03.2025 | Susanne Neumann

American Football

Interview mit Enrique Jentsch

®Enrique Jentsch

American Football hat sich in Deutschland seit den 1970er-Jahren kontinuierlich entwickelt und zählt mittlerweile zu den beliebtesten Randsportarten des Landes. Die ersten organisierten Spiele fanden in den 1970er-Jahren statt. 1979 wurde dann der American Football Verband Deutschland (AFVD) gegründet. Die German Football League (GFL) ist die höchste Spielklasse und existiert seit 1979. In den letzten Jahrzehnten hat sich Football stark professionalisiert, und seit 2021 gibt es zudem die European League of Football (ELF) mit mehreren deutschen Teams.

Auch wenn wir vorrangig eine Fußball-Nation sind, kennt jeder von uns Football-Fans, die zu Zeiten des Super Bowl die deutschen Nächte zum Tag machen mit Chickenwings und Popcorn. Ich gebe zu, dass mir die Spielregeln nicht sehr vertraut sind und mein Interesse sich oftmals mehr auf die Halftime Show konzentriert. Asche auf mein Haupt. Heute habe ich ein Gespräch mit dem American-Football-Spieler Enrique Jentsch und möchte mehr erfahren.

Susanne Neumann: Hallo Enrique, erzähl mal …

Enrique Jentsch: Ich bin 21 Jahre alt und trainiere seit fünf Jahren American Football. Als gebürtiger Berliner, ich bin auch in Berlin aufgewachsen, habe ich bei Berlin Adler angefangen, American Football zu spielen. Später bin ich für zwei Jahre nach NRW gezogen und habe im Verein Düsseldorf Panther gespielt. Dann ging es wieder zurück Richtung Berlin. Diese Saison spiele ich das erste Mal in der Herrenklasse bei Potsdam Royals. Und ich freue mich auf die neue Herausforderung.

Das hört sich nach vielen Zugeständnissen an für das sportliche Ziel.

Ja, tatsächlich ist es schön, nach dem Ausflug in NRW wieder bei meiner Familie und meinen Geschwistern in Heimatnähe zu sein.

Welcher Leistungsklasse würdest du deine sportlichen Ambitionen zuordnen?

Ich würde schon von Leistungssport sprechen. Meine Tagesabläufe sind sehr strukturiert. In der Regel startet mein Tag um 4:30 Uhr nach einem strengen Plan, gefüllt mit Trainingseinheiten, Essensaufnahme, Schule beziehungsweise Ausbildung, und endet gegen 21:00 Uhr. 

Jetzt habe ich meine Fachhochschulreife abgeschlossen und kann meine berufliche Ausbildung bei der Potsdam Royals GmbH optimal mit dem Training beim Verein Potsdam Royals verbinden.

Wie verhält es sich eigentlich mit der Position, die man spielt? Du spielst Defense of Back – war das schon immer so?

In den Jugendmannschaften kann es sein, dass man verschiedene Positionen ausprobiert, sofern der Trainer das befürwortet. Aber jetzt, in der Herrenklasse, spiele ich die Position Defense of Back. Auch wenn Defense of Back eine sehr wichtige Figur ist, muss ich einräumen, dass ich am American Football faszinierend finde, wenn man auf Kontakt spielt. 

Das Schöne am American Football ist, dass es für jede figürliche Voraussetzung eine Verwendung im Team gibt. Das macht den Sport so vielfältig. Es macht keinen Sinn, mit einem Gewicht von 70 Kilogramm in die Mitte zu gehen. Es gibt Positionen, wo ein Spieler viel Masse mitbringen muss, und es gibt Positionen, auf denen der Athlet ein guter Sprinter sein muss. Man kann nicht zu groß, zu klein, zu dick oder zu dünn sein, jeder wird bei dieser Sportart im Team gebraucht.

Wie sieht denn ein normaler Trainingstag bei dir aus?

Mein Wecker schellt zwischen 4:30 und 6:00 Uhr. Ich trinke Wasser und gehe direkt raus auf den Platz, hinter meinem Haus ist ein Fußballplatz, und ich starte mit den ersten Sprints des Tages. Manchmal sind es auch Sprünge. Danach wird kurz etwas gegessen und es geht los ins Gym. Ich trainiere dann zwei Stunden im Fitness-Studio und beende diese Trainingseinheit mit einem kurzen Saunagang. Dann gibt es Essen und dann beginnt auch schon die Regeneration. Zum Beispiel mit Dehnungen und Reboots. Die Reboots fördern die Durchblutung in den Beinen, was eine beschleunigte Regeneration erzeugt. Abends kommt dann eine zweistündige Trainingseinheit, die mir ermöglicht, an meinen Problemzonen zu arbeiten. Die Nachtruhe startet zwischen 20:00 und 21:00 Uhr.

Von der siebten bis zur zehnten Klasse war ich auf einer Sportschule, wo eine bestimmte Tagesstruktur gelebt wurde. Für meinen sportlichen Erfolg ist so eine Tagesstruktur zwingend notwendig.

Was sind deine TOP-Five der aktuellen Mannschaften in Deutschland?

Auf jeden Fall die Potsdam Royals, diese Mannschaft hat die letzten zwei Jahre den German Bowl gewonnen. Die Berlin Rebels kommen stark dazu, Schwäbisch Hall Unicorns, ein dominierendes Team der letzten Jahre in der GFL. Sie waren mehrfacher German-Bowl-Sieger (unter anderem 2011, 2012, 2017, 2018, 2022). Dann muss man noch Braunschweig New Yorker Lions und die Dresden Monarchs erwähnen.

Der German Bowl wird dieses Jahr in Dresden ausgetragen und es liegt auf der Hand, dass die Dresden Monarchs hochmotiviert das Ziel verfolgen, den Pokal nach Dresden zu holen.

Ist der finale Traum bei dieser Sportart immer, als American-Football-Spieler in den USA Teil einer US-Mannschaft zu sein, oder hat die Deutsche Liga genug eigene Anreize?

Da Football in Deutschland eine immer größere mediale Aufmerksamkeit erfährt, stehen die Chancen für eine solide Karriere als Football-Profi in Deutschland recht gut. Die Möglichkeiten, sich auf der Weltbühne zu zeigen, sind seit der ELF gewachsen, und so hat sich Europa zu einem attraktiven Standort entwickelt.

Aber ich glaube, dass nahezu jeder, der eine Profi-Karriere als Football-Spieler anstrebt, auch nach Amerika gehen möchte, um den sportlichen Erfolg dort drüben auszukosten. Vor 100.000 Menschen zu spielen ist schon eine Ehre, bei den Besucherzahlen sind wir in Deutschland noch nicht angekommen.

Aber der Weg dorthin ist nicht einfach für einen Nicht-US-Spieler. In seltenen Fällen wird man direkt von der NFL gecastet. In den USA geht viel über die Colleges oder Universitäten. Das System der Sportförderung läuft in den USA gänzlich anders als in Deutschland.

Welche Wege dahin sind denn realistisch, ganz allgemein gesprochen?

Der simpelste Weg wäre, an einer Universität in den USA als Student angenommen zu werden und die dort übliche Förderung von Sporttalenten in Anspruch zu nehmen. Aber selbst das ist natürlich nicht einfach. Es sei denn, man verfügt über einen amerikanischen Pass und einen gefälligen Notendurchschnitt.

Eine andere Möglichkeit ist folgende: Es gibt eine Organisation, die europäische Talente mit einem Bus durch Amerika fährt und bei den passenden Talent-Castings vorstellt. Es ist keine günstige Angelegenheit, aber dennoch eine attraktive Lösung, die eigenen Kosten im Auge zu behalten.

Unser Benotungssystem unterscheidet sich von dem System in Amerika, ein vorhandenes Level muss zunächst umgerechnet werden, damit man weiß, wo man steht. Es gibt auch virtuelle Vor-Castings anhand von Videomaterial von aufgezeichneten Spielen. Anhand der Aufzeichnungen kann man die Bewegungen des Spielers analysieren und einstufen, aber man kann nicht einschätzen, wie das Niveau der Spieler real ist. Dazu muss man das Level des Gegners kennen.

Und was erwartet der US-Markt zum Thema Selbstvermarktung?

Das ist tatsächlich ein wichtiger Punkt. Eigentlich muss man sich als aufstrebender Spieler schon einen Namen in der Social-Media-Landschaft , vorzugsweise Twitter, gemacht haben. Es wird gerne gesehen, wenn man Clips seiner Spielzüge postet und sich Fans und Follower aufbaut. 

Bei meinem durchgetakteten Tagesablauf gestaltet es sich schwierig, dieses Spielfeld auch noch zu bedienen, aber wenn es der Sache dienlich ist, muss es halt sein. Und ich möchte erwähnen, dass sich schon eine Universität aufgrund meiner Twitter-Clips bei mir gemeldet hat und mich zu einer Besichtigung eingeladen hat.

Wo siehst du dich in fünf Jahren? Dann bist du 24 Jahre alt.

Ja, das wäre meine Blütezeit als American-Football-Spieler – und wenn ich bei dieser Antwort träumen darf … sehe ich mich in der NFL spielen. Auch wenn es nicht dazu kommen sollte, habe ich auf jeden Fall den Anspruch, mich in den USA präsentieren zu können. Das ist mein Ziel, für das ich jeden Tag hart arbeite.

Enrique, ich muss voller Respekt sagen, dein Ehrgeiz, deinen Traum zu verwirklichen, scheint nahezu grenzenlos. Ich wünsche dir alles Gute für deinen weiteren Weg.

Susanne Neumann

 

Ligen in Deutschland

1. German Football League (GFL)

Besteht aus 16 Mannschaften, die in GFL Nord und GFL Süd aufgeteilt sind.

Darunter gibt es die GFL 2, die zweite Liga mit ebenfalls 16 Teams.

 

2. Regionalligen und untere Ligen

Darunter gibt es mehrere Regionalligen (3. Liga) und Oberligen (4. Liga).

Weiter darunter existieren Verbandsligen, Landesligen und Aufbauligen.

Insgesamt gibt es mehr als 500 Teams in ganz Deutschland, die in verschiedenen Ligen spielen.

3. European League of Football (ELF)

Seit 2021 gibt es zusätzlich die ELF, die eine professionelle, internationale Liga darstellt.

 

NFL-Spieler aus Deutschland

#Jakob Johnson (FB, Las Vegas Raiders) – einer der wenigen Deutschen mit Stammplatz in der NFL.

#David Bada (DT, Washington Commanders) – ehemaliger GFL-Spieler, über das „International Pathway Program“ in die NFL gekommen.

#Marcel Dabo (DB, Indianapolis Colts) – war 2022 in der ELF, dann von den Colts gesigned.

#Sebastian Vollmer (OT, New England Patriots, retired) – zweifacher Super Bowl Champion (XLIX, LI).

#Björn Werner (DE, Ex-Indianapolis Colts) – wurde 2013 als erster Deutscher in der ersten Runde des NFL-Drafts gepickt.

 

Deutsche ELF- und GFL-Stars

#Kasim Edebali (DL, Rhein Fire, Ex-NFL-Spieler) – spielte mehrere Jahre in der NFL, jetzt Aushängeschild der ELF.

#Moritz Böhringer (WR, Ravensburg Razorbacks, Ex-NFL-Spieler) – wurde 2016 als erster Spieler direkt aus Europa in die NFL gedraftet.

#Alexander Honig (QB, Schwäbisch Hall Unicorns) – Riesentalent auf der QB-Position, war in den USA am College.

#Patrick Esume („Coach Esume“) – Trainerlegende und Commissioner der ELF, früher erfolgreicher Coach in Deutschland und NFL Europe.


 

 


Autor

Susanne Neumann

Leitende Redakteurin #FITNESS

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